I. Ethnische Segmentierung am Wiener Arbeitsmarkt
Die Situation der in Österreich lebenden ausländischen StaatsbürgerInnen und Personen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt ist noch immer durch eine starke ethnische Segmentierung nach Branchen und Beschäftigungen gekennzeichnet, die infolge des „Gastarbeiter-Systems“ seit den 1960er Jahren entstanden ist.Hinzu kommt, dass MigrantInnen aus Nicht-EU-Ländern, und insbesondere AsylwerberInnen, noch immer zahlreichen rechtlichen Restriktionen beim Zugang zum Arbeitsmarkt aufgrund des Ausländerbeschäftigungssystems ausgesetzt sind.
Diese ethnische Segmentierung, die auch für den Wiener Arbeitsmarkt zutrifft, zeigt sich generell vor allem in
- einer hohen Konzentration der ausländischen Beschäftigten in bestimmten Branchen und Sektoren, vorwiegend im un- und niedrigqualifizierten und im Niedriglohnsektor,
- einem höheren Anteil von ausländischen Beschäftigten in ArbeiterInnen-Positionen im Vergleich zu ÖsterreicherInnen, die vorwiegend als Angestellte tätig sind,
- einem durchschnittlich geringeren Lohnniveau ausländischer Beschäftigter
- und der überproportionalen Beschäftigung in Kleinst- und Kleinbetrieben.
Dieses generelle Bild trifft heute nur mehr teilweise und nicht auf alle MigrantInnen gleichermaßen zu. Insbesondere über die Beschäftigungskarrieren der Eingebürgerten oder der zweiten Generation liegen unzureichende Daten vor, da in den bisherigen Statistiken meist nur ausländische StaatsbürgerInnen erfasst wurden. Ein Anteil von nunmehr rund 28,5% [Waldrauch/Sohler 2004]. (438.500 ausländische oder seit 1961 eingebürgerte Personen sowie deren Nachkommen) der Wiener Bevölkerung weist einen Migrationshintergrund auf.
Einige aktuelle Daten zur Beschäftigung von MigrantInnen verdeutlichen dieses Bild für den Wiener Arbeitsmarkt:
Ausländische ArbeitnehmerInnen
Von den insgesamt 767.266 unselbstständigen Beschäftigten in Wien im Jahresdurchschnitt 2003 waren 15% ausländische StaatsbürgerInnen, davon entfielen wiederum zwei Drittel auf ArbeitnehmerInnen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien (50%) und der Türkei (15%).Branchenverteilung
Der Großteil der beschäftigten MigrantInnen konzentriert sich auf bestimmte Branchen und da vorwiegend im Niedriglohnsektor. Die meisten ausländischen ArbeitnehmerInnen befinden sich im Sektor unternehmensnahe Dienste (23%, 15% unter österreichischen StaatsbürgerInnen), Handel (16% vs. 14%), Bau (14% vs. 5%), Gastgewerbe (11% vs. 3%) und Sachgütererzeugung (11% vs. 10%). Prozentuell deutlich seltener als ÖsterreicherInnen dagegen sind AusländerInnen in der öffentlichen Verwaltung (6% aller ausländischen vs. 22% aller österreichischen Beschäftigten), im Kredit- und Versicherungswesen (2% vs. 6%), im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung (5% vs. 8%) und im Unterrichtswesen (1% vs. 2%) beschäftigt.Beschäftigungsstatus
Während nur 22% der österreichischen Beschäftigten einen ArbeiterInnenstatus haben, sind es bei ausländischen ArbeitnehmerInnen mehr als dreimal so viele. Es dominieren hier ex-jugoslawische und türkische Staatsangehörige. Der Status als ArbeiterIn ist dabei im Vergleich zu jenem als Angestelltem/r oder Beamter/Beamtin (nur für österreichische Staatsangehörige möglich) teilweise mit einer schlechteren arbeits- und sozialrechtlichen Stellung und im Durchschnitt mit geringerem Einkommen verbunden.Ausbildung
Im Bildungsbereich gibt es v.a. im Lehr- und Pflichtschulbereich markante Unterschiede zwischen WienerInnen mit und ohne direktem ausländischen Herkunftshintergrund (im Ausland geboren oder ausländische StaatsbürgerInnen). Während in Österreich geborene österreichische Staatsangehörige im Alter von 15 Jahren oder älter in 32,5% aller Fälle eine Lehre abgeschlossen haben und in rund 27% nur die Pflichtschule, haben von allen Personen mit direktem ausländischen Herkunftshintergrund nur ca. 18% eine Lehre, knapp 50% aber nur die Pflichtschule absolviert. Vor allem ist das Bildungsniveau von Personen aus den klassischen Herkunftsländern im Vergleich zu allen anderen Herkunftsgruppen weitaus niedriger: z.B. ist der Anteil an Personen, die nur die Pflichtschule besucht haben, bei türkischen MigrantInnen 77%.Gleichzeitig sind aber im Herkunftsland erworbene Qualifikationen zum Teil in Österreich nicht anerkannt bzw. nicht transferierbar.
Arbeitslosigkeit
Ausländische ArbeitnehmerInnen sind durchschnittlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, wobei dies auch durch die hohe Konzentration von MigrantInnen in Branchen mit hoher Saisonalität (z. B. Baugewerbe) bedingt ist. Von den im Jahresdurchschnitt 2003 rund 80.000 arbeitslos vorgemerkten Personen in Wien waren rund 21% nicht-österreichische StaatsbürgerInnen. Die Arbeitslosenrate insgesamt, d.h. inklusive der ausländischen StaatsbürgerInnen betrug dabei 10,4%, die Arbeitslosenrate nur für AusländerInnen betrug 15,2%.Quellen: Volkszählung 2001, Statistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sowie AMS (2003)
Eine ausführlichere Beschreibung zur Situation von MigrantInnen am Wiener Arbeitsmarkt sowie ihre Diskriminierungserfahrungen findet sich in einer im Rahmen des Projektes „Gleiche Chancen im Betrieb“ erstellten Studie. Diese Studie ist auf der Website www.gleiche-chancen.at abrufbar.
 
Zum Weiterlesen
Bauböck, R./Volf, P. (2001): Wege zur Integration. Was man gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit tun kann. Drava Verlag: Klagenfurt/Celovec.
Demel, K./Fassmann, H. (2001): Die soziale Mobilität der AusländerInnen. Ein Beitrag zur Arbeitsmarkt- und Sozialstrukturanalyse der Großstadt. Wien.
Fassmann, H./Stacher, I. (Hg.) (2003): Österreichischer Migrations- und Integrationsbericht. Drava Verlag: Klagenfurt/Celovec.
Waldrauch, H./Çinar, D. (2003): Staatsbürgerschaftspolitik und Einbürgerungspraxis in Österreich. In: Fassmann, H./Stacher, I. (Hg.) (2003).
Waldrauch, H./Sohler, K. (2004): Migrantenorganisationen in der Großstadt. Entstehung, Strukturen und Aktivitäten am Beispiel Wien. Campus Verlag: Reihe Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung Bd. 14.
Wiener Integrationsfonds (2002): MigrantInnen in Wien 2002. Daten&Fakten&Recht. Report 2002, Teil II. Wien.
Wirtschaftskammer Wien (2003): Unselbständig Beschäftigte Wiens nach der Kammersystematik. Statistikreferat Oktober 2003.

















