4.4 Der Einsatz von Präventivkräften bei Standortbestimmungen
Wie vorher beschrieben, ist die Standortbestimmung im Unternehmen ein wichtiger Schritt in Veränderungsprojekten. Die Durchführung durch externe ExpertInnen kann in hohem Maße durch4.4.1 Aufgaben und Tätigkeitsbereiche
Präventivkräfte sind Gesundheitsfachkräfte – v.a. ArbeitsmedizinerInnen, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, ArbeitspsychologInnen, ErgonomInnen u.a. –, die Aufgaben des Gesundheitsschutzes von ArbeitnehmerInnen auf Grundlage des4.4.2 Rolle der Präventivkräfte bei Standortbestimmungen
Gerade bei einer Standortbestimmung ist es aus mehreren Gründen sinnvoll Präventivkräfte einzusetzen: Informationen über die Unternehmenskultur zu bekommen ist für externe „BeraterInnen“ relativ schwierig und interne ExpertInnen sind oft mit dem Problem der „Betriebsblindheit“ konfrontiert, die eine objektive Einschätzung und Bewertung der Unternehmensabläufe erschweren kann. Daher ist eine Kombination von interner und externer Sichtweise optimal für die Standortbestimmung im Unternehmen. Präventivkräfte kennen ein Unternehmen gut, weil sie diese meist über lange Jahre hinweg betreuen, deren Geschichte und Entwicklung, die „key persons“ und „opinion leaders“ im Betrieb kennen, sowie Kontakt zu den MitarbeiterInnen aller Hierarchiestufen haben. Durch vertrauliche und persönliche Gespräche mit den MitarbeiterInnen haben sie Einblick in Bedingungen im Betrieb. Sie sind jedoch selbst nicht Teil des Unternehmens und können daher mit gewissem Abstand Beobachtungen und Interpretationen reflektieren.Präventivkräfte sind also mit ihren betriebsinternen Kenntnissen und dem doch noch vorhandenen Abstand zur alltäglichen Unternehmenstätigkeit unterstützend tätig, die meistens subjektiven und somit von MitarbeiterIn zu MitarbeiterIn differierenden Sichtweisen zu filtern und zu interpretieren.
Besonders sinnvoll ist die Einbeziehung von Präventivkräften in die Analyse der Unternehmenskultur. Sie haben Kenntnisse über Informations- und Kommunikationskanäle, Beschwerdemanagement, das Diskriminierungsempfinden von MitarbeiterInnen sowie Führungskräften, Betriebsklima etc.
4.4.3 Leistungen der Präventivkräfte bei Standortbestimmungen
Klassische Instrumente zur Sondierung der Betriebskultur sind das MitarbeiterInnen- bzw. Vorgesetzteninterview, die MitarbeiterInnenbefragung sowie die Begehung von Arbeitsplätzen hinsichtlich gesundheitsbelastender Umwelteinflüsse. Präventivkräfte können z.B. bei der Entwicklung von Interviewleitfäden beteiligt sein oder auf bestimmte kritische Bereiche der Unternehmensabläufe hinweisen, auf die im Rahmen der Interviews eingegangen werden kann.Auch bei der Ausarbeitung von Fragebögen zur Erhebung unter den MitarbeiterInnen in den Bereichen der Gesundheit, persönlichen Befindlichkeit, Arbeitsfähigkeit und Motivation verfügen Präventivkräfte über Expertise – diese Bereiche können zum Beispiel mit dem
Unter bestimmten betrieblichen Gegebenheiten können Fragebogenerhebungen, Interviews und Begehungen allein nicht ausreichend sein, um die diffizilen Besonderheiten der Betriebskultur eines Unternehmens zu erfassen. In diesem Fall ist es empfehlenswert so genannte Zirkelprozesse im Unternehmen zu initiieren, in denen MitarbeiterInnen zu bestimmten Themen sprechen und Lösungsansätze entwickeln.
Diese Vorgangsweise hat sich auch im Projekt „Gleiche Chancen im Betrieb“ bei Umsetzung eines Code of Conduct in einem der Betriebe bewährt. In jeweils einstündigen Sitzungen wurden standardisierte Zirkelprozesse initiiert, die in diesem Fall von ArbeitsmedizinerInnen bzw. ArbeitspsychologInnen geführt wurden. Die Gruppen setzten sich aus MitarbeiterInnen der gleichen Abteilung oder aus Führungskräften der gleichen Hierarchieebene zusammen.
Es wurden die folgenden Fragen beantwortet:
Was klappt gut, z.B.




Was läuft weniger gut? Was würde ich verbessern wollen bzw. was sollte die Unternehmensleitung verbessern?Über die Ergebnisse der einzelnen Zirkel wurden Protokolle erstellt. Diese wurden dann zusammengeführt und fanden so anonymisiert Berücksichtigung in der Standortbestimmung des Unternehmens.
Was klappt gut, z.B.

in Bezug auf unsere unterschiedliche Sprache, Herkunft, Religion,...

in der Zusammenarbeit im Team,

mit unseren Vorgesetzten,

mit den KundInnen?
Was läuft weniger gut? Was würde ich verbessern wollen bzw. was sollte die Unternehmensleitung verbessern?Über die Ergebnisse der einzelnen Zirkel wurden Protokolle erstellt. Diese wurden dann zusammengeführt und fanden so anonymisiert Berücksichtigung in der Standortbestimmung des Unternehmens.
Sollten in Betrieben Fragebogenerhebung und Interviews z.B. aus Gründen der räumlichen Verteilung der MitarbeiterInnen, wegen mangelnder Sprachkenntnisse, weil es nicht der Organisationskultur entspricht, etc. nicht möglich sein, können Zirkelprozesse oder ähnliche Methoden hilfreich sein, um die für die Standortbestimmung notwendigen Informationen zu erhalten.


















