3.6 Zur rechtlichen Stellung von Codes of Conduct im betrieblichen Umfeld

Wie bereits dargestellt, ist ein Code of Conduct grundsätzlich ein Tool der Organisationsentwicklung und des Change-Management. Der Code of Conduct als festgeschriebene Unternehmenskultur mit bisweilen sehr weitreichender Auswirkung auf die Arbeitsrealität ist daher auch in Hinblick auf seine rechtliche Natur zu beleuchten. Dies betrifft zum einen die arbeitsvertragliche, zum anderen die kollektivvertragliche Grundlage.

Zur vertraglichen Basis:

Grundsätzlich wird das Rechtsverhältnis zwischen MitarbeiterInnen und dem Unternehmen durch den individuellen Arbeitsvertrag gestaltet. Bei bestehenden Belegschaftsmitgliedern ist daher ein Code of Conduct regelmäßig nicht Teil ihrer vertraglichen Verpflichtungen dem Unternehmen gegenüber.

Zur kollektivarbeitsrechtlichenBasis:

Zusätzlich zur individuellen vertraglichen Basis des Arbeitsverhältnisses kennt das Arbeitsrecht aber auch kollektive Regelungen. Hierfür kommen Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen in Betracht. Insbesondere Betriebsvereinbarungen können eine taugliche Methode sein, Codes of Conduct im Unternehmen auch auf eine rechtliche und verbindliche Grundlage zu stellen. Grundsätzlich können etwa Sanktionen wegen Verstößen gegen den CoC nur dann arbeitsrechtlich korrekt abgewickelt werden, wenn dies in individuellen Arbeitsverträgen oder in Betriebsvereinbarungen so festgehalten wird.
Denn selbst als Ergebnis eines partizipatorischen Prozesses unter Einbeziehung von Betriebsrat oder Personalvertretung kommt ansonsten dem Code of Conduct per se keine Rechtskraft zu!
TIPP

CoC in Klein- und Mittelunternehmen (KMU):

Immer wieder wird in diesem Handbuch davon gesprochen, dass die hier dargestellten Methoden insbesondere große Mittelbetriebe und Großbetriebe ansprechen sollen.
Inwiefern können aber auch kleine und mittlere Unternehmen solche Politiken zur Förderung der Vielfalt und Gleichstellung realisieren? Natürlich ist es wünschenswert, dass auch KMU, die ja letztlich das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft darstellen, sich mit diesen Fragen beschäftigen. Jedoch wird in vielen Fällen die hier beschriebene Methode diese Unternehmen in Hinblick auf ihre Ressourcen überfordern. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass alle KMU den ganzen Prozess zu einem umfassenden Code of Conduct durchlaufen. Dennoch können Teile der hier präsentierten Vorgangsweise auch für kleinere Unternehmen nutzbar sein. Jedenfalls ist auch für sie sinnvoll, etwa sensibilisierende MitarbeiterInnenschulungen zu ermöglichen oder sich im Rahmen ihrer Teamentwicklung mit der Thematik der Anti-Diskriminierung auseinander zu setzen. In jedem Fall ist auch für diese Betriebe der neue rechtliche Rahmen für eine diskriminierungsfreie Arbeitswelt von Relevanz, der ja unabhängig von Betriebsgröße gilt.
 
Zum Weiterlesen

Projektmanagement:

Hölzle, P./Grünig, C. (2002): Projektmanagement: professionell führen – Erfolge präsentieren. Haufe: Freiburg im Breisgau.

Lessel, W. (2002): Projektmanagement: Projekte effizient planen und erfolgreich umsetzen. Cornelsen Verlag: Berlin.

Patzak, G./Rattay, G. (2004): Projektmanagement: Leitfaden zum Management von Projekten, Projektportfolios und projektorientierten Unternehmen. Linde Verlag: Wien.

Schreckeneder, B. C. (2002): Projekte managen: Top-Tools für starke Teams. Financial Times Prentice Hall: München.