2.2 Gender Mainstreaming als übergreifende Strategie

Die Strategie Gender Mainstreaming hat die Gleichstellung von Frauen und Männern zum Ziel. Gender bezeichnet das „soziale Geschlecht“, also sozial und kulturell festgelegte – und somit auch veränderliche – Rollen von Frauen und Männern. Mit diesen Rollen sind geschlechtsspezifische Chancen und Benachteiligungen verbunden. Mainstreaming bedeutet, dass diese Sichtweise oder Strategie „in den Hauptstrom“ gebracht wird, also bei allen Planungs- und Entscheidungsschritten handlungsleitend ist.
Unterschiedliche Ausgangspositionen und soziale Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern werden bei jedem Schritt wahrgenommen und berücksichtigt. Jede geplante Maßnahme wird auf ihre möglichen geschlechtsspezifischen Auswirkungen überprüft und bei der Gestaltung wird stets ein Augenmerk auf den Beitrag zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern geworfen. Unterschiedliche Bedürfnisse von Frauen und Männern fließen somit systematisch in die Planung und Umsetzung von Maßnahmen ein und die Ursachen für aktuelle Unterschiede werden erfragt. Sowohl Frauen als auch Männer sind AkteurInnen und Zielgruppe von Gender Mainstreaming. Da die geschlechtsspezifische Ungleichheitsstruktur meist zu Lasten von Frauen geht, zeigt Gender Mainstreaming auf, in welchen Bereichen der Fokus der Maßnahmen spezifisch auf Frauen zu legen ist. Gender Mainstreaming ersetzt nicht bewährte Frauenförderungs- und Gleichstellungsmaßnahmen, sondern zielt als ergänzende Strategie darauf ab, jene Strukturen zu verändern, die sich als Hindernisse auf dem Weg zu Chancengleichheit zeigten.
Die Umsetzung von Gender Mainstreaming in einem Unternehmen bedeutet daher, bei allen Planungs- und Entscheidungsschritten zu überprüfen:
Um einen geschlechtsspezifischen Fokus im Zuge einer auf Chancengleichheit abzielenden Projektumsetzung entwickeln zu können, werden nach Geschlecht aufgeschlüsselte Daten benötigt. Aus diesen Daten werden Erkenntnisse über den unterschiedlichen Zugang zu betrieblichen Ressourcen gewonnen. Es können Schlüsse über mögliche Benachteiligungen von bestimmten Gruppen bei Einstellung, Entlohnung, beruflichem Aufstieg, Weiterbildung etc. gezogen werden. In einem nächsten Schritt werden die für diese geschlechtsspezifischen Ungleichheiten verantwortlichen Gründe gesucht und konkrete Hemmnisse auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit aufgezeigt. Erst nach einer Vergegenwärtigung von Denk- und Einstellungsmustern, in denen verschiedene Rollenerwartungen an weibliche und männliche Beschäftigte verankert sind, können schließlich Strategien zu deren langfristiger Veränderung entwickelt werden.
Um Gender Mainstreaming als durchgängiges Prinzip im Betrieb verankern zu können, ist der Wille, und vor allem auch die Verbindlichkeit von Führungskräften wesentlich. Auf der Führungsebene sind Ziele festzulegen und die notwendigen Rahmenbedingungen für die Umsetzung zu schaffen.
TIPP
Die Verankerung von Gender Mainstreaming als Querschnittsthematik in einem Projekt mit anderen Chancengleichheitszielen ermöglicht das Aufzeigen von Mehrfachdiskriminierungen. Mögliche Verschränkungen und Wechselwirkungen von Diskriminierungsgründen können aufgedeckt und die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen darauf abgestimmt werden.
 
Zum Weiterlesen

Zu Gender Mainstreaming:
Bergmann, N./Pimminger, I. (2004) : Praxishandbuch Gender Mainstreaming. Konzept, Umsetzung, Erfahrung. GeM – Koordinationsstelle für Gender Mainstreaming im ESF. Wien. http://www.gem.or.at/download/GeM_PraxisHandbuch.pdf

Gesellschaft für Innovative Beschäftigungsförderung, G.I.B. (2000): Gender Mainstreaming – Chancengleichheit für Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt. http://www.gib.nrw.de/de/download/data/Leitfaden_GM.pdf

Jung, D./Küpper, G. (2001): Gender Mainstreaming und betriebliche Veränderungsprozesse (Auswertung von 27 Projekten und Beispielen von „best practice“) Kleine Verlag: Bielefeld.

Krell, G. Hg., (1998): Chancengleichheit durch Personalpolitik. Gleichstellung von Frauen und Männern in Unternehmen und Verwaltungen. Wiesbaden. http://www.idee-it.de/var/storage/original/application/phpMVE1yE.pdf

Stiegler, B. (2000) Wie Gender in den Mainstream kommt: Konzepte, Argumente und Praxisbeispiele zur EU-Strategie des Gender Mainstreaming. Friedrich-Ebert-Stiftung: Bonn. http://www.fes.de/fulltext/asfo/00802toc.htm

Links:

Informationen der Europäischen Kommission über die Definition, Inhalte und Aktivitäten zum Thema „Gender Mainstreaming“, siehe: http://europa.eu.int/comm/employment_social/equ_opp/gms_de.html

Leitfaden zur Bewertung geschlechtsspezifischer Auswirkungen (dieser Leitfaden bezieht sich auf den politischen Bereich, kann jedoch ebenso Anregungen für Betriebe liefern), siehe:http://europa.eu.int/comm/employment_social/equ_opp/gender/gender_de.pdf

Überblick: Ausgewählte Fachliteratur zu Gender Mainstreaming, siehe: http://www.berlin.de/SenWiArbFrau/frauen/gender_gs/literatur.htm

Zu Maßnahmen in der EU:

Wrench, J. (1997): Europäisches Kompendium beispielhafter Praktiken zur Verhütung von Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit sowie zur Förderung der Gleichbehandlung am Arbeitsplatz. European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, Dublin.

Wrench, J. (2002): Diversity management, discrimination and ethnic minorities in Europe. Clarifications, critiques and research agendas. CEUS.

Shaw, Graham (2002): Ethnic minority employment through partnership. Towards a model of good practice. Copenhagen: The Copenhagen Centre.

DGB Bildungswerk Hg. (2002): Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren! Aktiv gegen Rassismus – Aktionsformen für die Arbeitswelt. Düsseldorf: Der Setzkasten.

Links zu „Good Practice“ Datenbanken:
Auf der Website des britischen UnternehmerInnennetzwerks „Business in the Community – BITC“ findet sich eine umfassende, nach Themen geordnete Datenbank mit Fallstudien zu Betrieben, die Gleichstellungs- und Diversity-Maßnahmen umgesetzt haben, siehe: http://www.bitc.org.uk

Das „good practice center“ des DGB Bildungswerks versammelt zahlreiche Beispiele zur Bekämpfung von Rassismus in der Arbeitswelt u.a. Betriebsvereinbarungen (zu partnerschaftlichem Verhalten) wichtiger deutscher Betriebe, siehe: http://www.migration-online.de

Über eine sehr umfassende Datenbank zu betrieblichen Maßnahmen für ethnische Minderheiten verfügt auch das niederländische Ministerium für Soziale Angelegenheiten und Beschäftigung, abfragbar nach Branchen, Regionen und Themen, siehe: http://www.rbvm.szw.nl

Auf der Homepage der ILO–International Migration Branch ging kürzlich eine Datenbank mit „anti-discrimination action profiles“ online, auf der sich Beispiele zur Bekämpfung von Diskriminierung am Arbeitsmarkt finden, darunter auch eine Reihe von Unternehmensbeispielen, abzufragen nach Ländern sowie nach Themen bzw. Anti-Diskriminierungsmaßnahmen, siehe: http://www.ilo.org/public/english/protection/migrant/discrimination/index.htm