1.3 Rechtliche Überlegungen
Der unmittelbarste Anreiz für Unternehmen zur Anti-Diskriminierung ist die Vermeidung von rechtlichen Sanktionen – die meist in Schadenersatz, aber im Fall von diskriminierenden Stellenausschreibungen auch in Verwaltungsstrafen bestehen. Neben der eigentlichen Strafe ist natürlich auch der öffentliche Imageschaden einzukalkulieren, der entsteht, wenn diskriminierendes Verhalten eines Unternehmens auch gerichtlich bestätigt wird.Seit 2004 sieht nun auch die österreichische Rechtsordnung Verbote und Sanktionen in Fällen rassistischer Diskriminierung vor, die deshalb als Richtschnur für die Umsetzung von Anti-Diskriminierungs-Maßnahmen gelten.
Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft im Arbeits- und Berufsleben ist nach dem neuen österreichischen Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) (
- Begründung des Arbeitsverhältnisses: Dies umfasst z.B. diskriminierende Stellenausschreibungen, unsachliche, nach Herkunft oder Religion unterscheidende Voraussetzungen; unsachliche Unterscheidung bei Art des Beschäftigungsverhältnisses (Dienstvertrag, Werkvertrag,...);
- Festsetzung des Entgelts: Dies umfasst z.B. unterschiedliches Gehalt bei gleichen Stellen; unterschiedliches Gehalt bei gleichwertigen Stellen; unterschiedliche, sachlich nicht gerechtfertigte variable Gehaltsbestandteile; unterschiedliche Berechnung von Prämien;
- Gewährung freiwilliger Sozial- leistungen: Darunter fällt z.B. die unsachliche Verteilung von Prämien;
- Aus- und Weiterbildung, Umschulung: Dies umfasst z.B. den unterschiedlichen Zugang zu Aus- und Weiterbildung; eine Benachteiligung beim Aus- und Weiterbildungsangebot;
- Beruflicher Aufstieg und Beför- derungen: Darunter fällt z.B. die diskriminierende interne Ausschreibung von intern zu besetzenden Stellen;
- Sonstige Arbeitsbedingungen: Dies betrifft u.a. folgende Beispiele: wenn von mehreren ArbeitnehmerInnen mit gleichem Tätigkeitsbereich immer nur eine bestimmte Person zum Kaffeemachen, Jausen holen, oder Hilfstätigkeiten herangezogen wird; wenn religiöse Pflichten grundsätzlich schon, nur bei einer Person nicht für besondere Urlaubswünsche berücksichtigt werden; oder wenn vermeintliche „Schutzmaßnahmen“ bestimmte ethnische/religiöse Gruppen benachteiligen;
- Beendigung des Arbeitsverhältnisses: Darunter fallen z.B. sachlich nicht zu rechtfertigende Unterschiede bei der Bemessung von freiwilliger Abfertigung und „Golden Handshakes“; bei auslastungsbedingtem Personalabbau werden zuerst AusländerInnen und MigrantInnen gekündigt; Diskriminierung in Bezug auf die Beratung und Vertretung durch den Betriebsrat
Ein Zugang zu Anti-Diskriminierung, der nur auf „rechtskonformes Verhalten“ abzielt, greift sicherlich zu kurz. Zur Planung präventiv wirkender Maßnahmen bietet der Gesetzeswortlaut allein keine ausreichende Richtschnur, da er offen lässt, welche Verhaltensweisen rechtskonform sind und mittels welcher Methoden ein rechtskonformer Zustand erreicht werden kann. So kann erst im Nachhinein im Einzelfall (gerichtliche Entscheidung) gesagt werden, ob ein bestimmtes Verhalten tatsächlich rechtskonform ist.
 
Zum Weiterlesen
Centre for Strategy & Evaluation Services (CSES) (2003): The Costs and Benefits of Diversity. A Study on Methods and Indicators to Measure the Cost-Effectiveness of Diversity Policies in Enterprises. October 2003, European Commission Directorate-General for Employment, Industrial Relations and Social Affairs.
Egger, T./Bauer T./Künzi K. (2003): Möglichkeiten von Maßnahmen gegen rassistische Diskriminierung in der Arbeitswelt, im Auftrag der Fachstelle für Rassismusbekämpfung des EDI, Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien BASS.
Karazman R./Kloimüller I./Karazman-Morawetz I. (2002): From Work Ability Index to Human Work Index. In: Research People and Work, FIOH.
Köhler-Braun K. (1998): Durch Diversity Management zu neuen Anforderungen an das Management. In: Zeitschrift für Führung und Organisation, 4, S. 188-193.
Philips, J.D. (1990): The Price Tag On Turnover. In: Personnel Journal, December, S. 58-62.
Sandner, D. (2004): Betriebswirtschaftliche Begründungen für Diversity Management, Dokument Nr. 23245 aus den Wissensarchiven von GRIN.
Sepheri, P. (2002): Diversity und Managing Diversity in internationalen Organisationen: Wahrnehmungen zum Verständnis und ökonomischer Relevanz, Rainer Hampp Verlag: München
Links:
Weiterführende Informationen zum Human Work Index finden sich auf der Website des Instituts für betriebliche Gesundheitsförderung (IBG) siehe http://www.worklab.at/leistungen_pp.htm#hwi

















