1.2 Betriebswirtschaftliche Überlegungen
Auf Grund der demografischen und politischen Entwicklungen werden auch in Europa Unternehmen und Organisationen zunehmend multiethnisch. Diese Vielfalt kann als Ressource betrachtet werden, welche dem Unternehmen betriebswirtschaftlich Vorteile bringen kann. Umgekehrt bedeutet Diskriminierung immer Kosten. In diesem Abschnitt werden nun einige ökonomische Überlegungen zu Diskriminierung (1.2.1 Die Folgekosten von Diskriminierung
Rassistische Diskriminierung stellt nicht nur einen Verstoß gegen die EU-Antirassismusrichtlinie (Bekämpfung von Diskriminierung in den Unternehmen erfolgt daher nicht nur aus ethischen, sondern zunehmend auch aus ökonomischen Gründen. Zumeist sind es betriebswirtschaftliche Argumente, die Unternehmen zur Einführung von Maßnahmen gegen Diskriminierung bzw. von Diversity Programmen bewegen.
Innerhalb des Unternehmens setzt sich vor allem der Personalbereich mit Diskriminierung auseinander, denn das Ziel von Personalmanagement und Personalentwicklung ist die optimale Arbeitsfähigkeit und die beste Motivation ihrer MitarbeiterInnen, mit einem Wort eine gute, nachhaltige Verankerung der Belegschaft in der Arbeit und den optimalen Nutzen ihrer Humanressourcen. Und diese Verankerung ist durch Diskriminierung gefährdet.
Negative Auswirkungen und interne Folgekosten von Diskriminierung im Unternehmen entstehen u.a. durch:
- Zerstörung der Arbeitsfähigkeit
- Geringere Motivation und Interesse
- Geringere Arbeitszufriedenheit und Identifikation mit dem Unternehmen
- Nicht optimale Nutzung von Innovation und Produktivität diskriminierter Personen
- Höhere Fluktuationsrate
- Kosten der Neurekrutierung
- Höherer Absentismus
- Zunahme von Interaktionsstress und Konflikten
- Innerer Rückzug
- Mehraufwand durch Beschäftigung mit Problemen und Fehlern
- Gerichtliche Prozesse durch Klagen
Etliche Studien zeigen negative Auswirkungen auf MitarbeiterInnen auf: Köhler-Braun [1998] nennt als einen der häufigsten Gründe, warum Angehörige von
Absentismus und Fluktuation sind unter Minderheitsangehörigen größer und verursachen auch erhebliche Kosten in Unternehmen.
Durch Fluktuation gehen wertvolle Humanressourcen verloren, und damit verbunden entstehen weitere Kosten durch neuerliche Personalwerbung und -einstellung. Die Einarbeitungszeit beträgt beispielsweise im mittleren Managementbereich bis zu 150% des Jahresgehaltes der freigewordenen Stelle [Philips, 1990].
Eine Möglichkeit, die Auswirkungen von Diskriminierungen auf Wohlbefinden, Arbeitsfähigkeit, Arbeitsinteresse und Zusammenarbeit zu messen, bietet der
Hinzu kommen potenzielle externe Kosten für das Unternehmen, wie u.a.:
- VerbraucherInnen und KundInnen zeigen weniger Interesse am Produkt
- Image leidet
- Investoren verlieren die Lust zu investieren.
1.2.2 Der Nutzen von Anti-Diskriminierungsmaßnahmen
Vor allem Strategien zur Förderung von Diversity werden als besonders nutzbringend für Unternehmen erachtet. Zu dieser Erkenntnis kommt eine aktuelle Studie zu „Kosten und Nutzen personeller Vielfalt in Unternehmen“ der Europäischen Kommission [Centre for Strategy & Evaluation Services 2003].Die Studie beruht auf einer Umfrage in 200 Unternehmen in vier EU Mitgliedsstaaten und kommt u.a. zu folgenden Ergebnissen:
- für 74% der befragten Unternehmen kam es zur Festigung kultureller Werte des Unternehmens
- für 69% der Unternehmen hat sich durch Diversity Programme der Ruf des Unternehmens verbessert
- 62% sind der Auffassung, dass sie hoch qualifiziertes Personal gewinnen und binden konnten
- für 60% haben sich Leistungsfähigkeit und Motivation der Beschäftigten verbessert
- 58% meinen, die Innovationskraft hätte sich erhöht f
- ür 57% sind die Dienstleistungsorientierung und Zufriedenheit der KundInnen gestiegen
- 57% meinen, dass Personalengpässe beseitigt wurden.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass
Die größten Kosten solcher Programme treten auf hinsichtlich:
- personeller Ressourcen für Verantwortliche für Diversity Management,
- Ausbildung und Training (Awareness und Skill Training),
- Reorganisation der Arbeits- bedingungen,
- Strategienfindung,
- Kommunikation
- und Evaluation.
Es lohnt sich am Beginn eines Projektes bzw. einer Analyse, die ökonomischen Ziele und auch den erwünschten ökonomischen Nutzen zu explizieren. Es muss jedoch klar sein, dass der Return-on-Investment wie beschrieben nur schwer zu kalkulieren ist, und dass man auf subjektive Einschätzungen von diversen Parametern wie Arbeitsfähigkeit oder Gesundheit angewiesen ist. Der

















