Heimliche Botschaften Website des Projekts "Gleiche Chancen"


Durch Sprache wird Realität konstituiert und insofern ist Sprache Macht. In unserem Wortschatz gibt es immer wieder Begriffe, die wir teilweise bereits in der Kindheit übernommen haben und unhinterfragt weiterverwenden. Sie sind von uns nicht böse gemeint, können aber starke Irritationen, Kränkungen und Unverständnis bei anderen auslösen. Viele "geflügelte Worte" haben diskriminierenden oder ausgrenzenden Charakter, manche Begriffe sind auch offensichtlich rassistisch und sollten nicht verwendet werden. Auch einige scheinbar vollkommen harmlose Begriffe haben es in sich.

Suchen wir gemeinsam Alternativen zu folgenden Begriffen, die noch immer in unserer Alltagssprache "herumgeistern"!

"getürkt"
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"Bananenrepublik"
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"Kanake"
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"Tschusch"
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"Herumzigeunern"
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"Neger"
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"Eskimo"
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"bis zur Vergasung"
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"das schwache Geschlecht"
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"Kaff"/"Kaffer"
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"Neger"

Für Personengruppen verwendete Ausdrücke geben immer Aufschluss über die Einstellung des/der SprecherIn der Gruppe gegenüber, über den Wissensstand und über vermutete Unterschiede zwischen der "eigenen" Gruppe und der "anderen" Gruppe.

Beim Begriff "Neger" ist mittlerweile klar, dass er eindeutig rassistisch ist und nicht mehr verwendet werden sollte. Für viele Menschen ist damit eine jahrhundertelange Geschichte der Unterdrückung und Entmenschlichung durch Sklaverei, Rassentrennung in den USA und das Apartheidregime in Südafrika verbunden. Als "Nigger" wurden Millionen von Menschen wie Objekte behandelt, ihrer Menschenrechte beraubt und brutalst ermordet.

Auch wenn es in den meisten Staaten eine formale und rechtliche Gleichstellung für alle Menschen gibt, sind vor allem Menschen mit dunkler Hautfarbe noch immer von Rassismen, Ausgrenzungen und Ungleichbehandlungen betroffen, die ihre Lebensumstände stark beeinflussen.

Die Worte "Nigger" oder "Neger" sind stark mit "dienen, untergeben sein, keine Rechte haben" verbunden (vergleiche auch die Redewendungen "ich bin ja nicht Dein Neger" als Zurückweisung für eine Bitte oder Aufforderung und "Neger sein" für "kein Geld haben").

Die Argumente: "Es ist ja nicht böse gemeint." Und "Zu meiner Zeit hat jeder das Wort verwendet und keinen hat es gestört." zählen nicht, angesichts der Tatsache, dass sich von den in Österreich lebenden AfrikanerInnen 70% von der Bezeichnung "Neger" verletzt fühlen und es weitere 28% als unangenehm oder zweideutig empfinden so bezeichnet zu werden (vgl. Ebermann 2002).

Man/ Frau muss sich also bewusst sein, dass wenn er/ sie den Ausdruck verwendet er/ sie in den meisten Fällen entweder als verletzend und meistens als rassistisch wahrgenommen wird.

Schwierig wird es aber dadurch, dass es keine weitgehend akzeptierten Alternativen dafür gibt. Auch die Ausdrücke "Schwarzer", "Farbiger" und "Schwarzafrikaner" teilen die Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe in eine Kategorie ein und werden als ethnozentrisch und ausschließend erlebt.

Die meisten Menschen, die mit den Begriffen "Schwarzer" und ähnlichen umfasst werden, haben miteinander ganz wenig zu tun. Manche kommen aus den USA, manche aus Ghana, manche aus Schweden, einige von Ihnen haben Architektur oder Medizin studiert, andere arbeiten in einem Schuhgeschäft, manche sind wohlhabend, andere auf Arbeitssuche, einer heißt Abdullah und eine/r andere/r Grace oder Otto. Das einzige, was diese Menschen eint, ist ihre Hautfarbe. Und meistens ist diese völlig irrelevant.

Wie würden Sie es finden, wenn hellhäutige ÖsterreicherInnen in Zukunft als "die Schweinchenrosanen" bezeichnet würden?

In Österreich scheint der Begriff "AfrikanerIn" oder die Nennung der Staatsbürgerschaft, also zum Beispiel "ein Mann aus Ghana" oder "eine Frau aus Simbabwe" noch am ehesten akzeptiert zu werden (vgl. auch Ebermann 2002: 372 ff.).


Weiterführende Literatur:

Allport, G. W. 1954: The nature of prejudice. MA:Addison-Wesley, Cambridge

Ebermann, Erwin 2002: Afrikaner in Wien. Zwischen Mystifizierung und Verteufelung. Erfahrungen und Analysen. LIT Verlag, München - Hamburg - London

Matouschek, Bernd 2000: Böse Worte? Sprache und Diskriminierung. Eine praktische Anleitung zur Erhöhung der «sprachlichen Sensibilität» im Umgang mit Anderen. Drava Verlag, Klagenfurt/Celovec

Michler, Walter 1991: Weißbuch Afrika. Verlag JHW Dietz Nachfolger, Bonn

Definition von Apartheid
www.matheboard.de/lexikon/Apartheid,definition.htm