Begriffsdefinitionen Website des Projekts "Gleiche Chancen"
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Auseinandersetzung mit Diskriminierungen im Betrieb und deren erfolgreiche Bekämpfung ist eine Klärung von Begrifflichkeiten.

Was heißt das eigentlich, wenn von Diversity, Interkulturalität, Diskriminierung und Rassismus die Rede ist? Gibt es einen Unterschied zwischen Integration und Assimilation, wenn ja welchen? Prüfen Sie Ihren eigenen Wissensstand - jetzt:

Versuchen Sie folgende Begriffe in Schlagworten zu definieren. Nach einem Klick auf den Begriff, können Sie einen Definitionsvorschlag des Begriffes sehen.

Interkulturalität

Interkulturalität beschreibt Unterschiedlichkeiten zwischen Individuen, die sich aus der Zugehörigkeit zu verschiedenen Kulturen/Gruppen ergeben.

Der Interkulturalitätsansatz geht von der Annahme aus, dass verschiedene Gruppen von Menschen als Angehörige verschiedener Kulturen andere Merkmale, Eigenschaften und Verhaltensweisen an den Tag legen. Interkulturelle Verschiedenartigkeit wird demgemäß als Erklärungsmuster für Missverständnisse und Konflikte herangezogen. Durch Vermittlung von Wissen über kulturelle Andersartigkeiten - so die daraus folgende Annahme - können diese Kommunikationsprobleme und daraus folgende Konflikte gelöst bzw. vermieden werden.

Der Begriff der Interkulturalität kann insofern problematisch sein als er unhinterfragt verwendet (und das wird er auf politischer und medialer Ebene meistens) dazu verleitet etwaigen Erklärungsbedarf für Verhaltensweisen oder Konfliktsituationen mit der Herkunft aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen zu befriedigen. Die angeblichen Schwierigkeiten interkultureller Kommunikation werden zu den idealen Erklärungsmustern für jedwede konfliktbelastete Situation.

Aber was sind "die" kulturellen Hintergründe, deren gegenseitige Kenntnis zu gegenseitigem Verständnis, Toleranz etc. beitragen sollen?

Natürlich ist die Kenntnis der kulturellen Herkunft des Gegenübers wichtig für Kommunikation und gegenseitiges Verständnis, aber da es um alle Facetten des Individuums geht, sind damit viele Gruppenzugehörigkeiten wie Alter, soziale Herkunft, Geschlecht, Bildungslevel u. ä. relevant. Die landläufigen Assoziationen zu Interkulturalität beschränken sich aber meistens auf eine Fixierung auf die kulturelle Identität eines Individuums oder noch öfter gleich einer ganzen Gruppe. (z. B. Ein 16-jähriger benimmt sich im Jugendzentrum schlecht. Er ist Türke. Schlussfolgerung "Alle Türken führen sich immer auf!")

Diese Projektion erzeugt eine Erwartungshaltung, dass sich türkische Jugendliche so und so verhalten und bewirkt auch eine Interpretation ihres Verhaltens dahingehend, dass es dieser Erwartungshaltung entspricht.

Sinn macht das Konzept Interkulturalität dann, wenn es nicht mit Schubladen operiert und diese Schubladen auch noch fester verschließt. Vielmehr sollte es als flexibles, permanenten Veränderungen unterworfenes, Phänomen der Wechselwirkung zwischen Kulturen verstanden werden. Kulturen sind in diesem Zusammenhang nicht nur ethnische/religiöse Herkunftskultur, sondern auch alle anderen Aspekte wie soziale und wirtschaftliche Bedingungen, Alter, Geschlecht, Ausbildung, wirtschaftliche, politische und rechtliche Strukturen und Prozesse die Benachteiligungen bewirken können.

(Dies ist eine von mehreren möglichen Definitionen und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit bzw. Vollständigkeit.)